Reparaturinstallation

XP hat ganz plötzlich eine regelmäßige Macke oder stürzt laufend in wiederkehrenden Situationen ab

Eine solche Fehlerbeschreibung kommt im Vokabular von Herrn Microsoft überhaupt nicht vor! Schließlich ist XP das stabilste Betriebssystem auf dem Erdenrund. Basta!

Na ja, ganz so einfach ist es nicht. Nur B.G. hat für derartige Fehlerbeschreibungen im “Hilfe- und Supportcenter” von XP auch keine Erklärung. Jedoch XP hat so etwas ähnliches wie eine Selbst-Heiler-Funktion - die Installation zum Zweck einer Systemreparatur . Sie unterscheidet sich grundsätzlich von der Systemwiederherstellung von XP und kann in solchen aussichtslosen Situationen angewendet werden, wenn zum Beispiel Systemdateien nach einer Virenattacke oder einer abgebrochenen Installationen defekt sind und XP erkennt dies nicht. Ja Mister B.G., das gibt es auch. In mehr als 90% der Fälle ist eine Reanimation des Systems ohne wesentlichem Datenverlust möglich.

Vor der Anwendung einer solchen Pferdekur für XP muß jedoch beachtet werden:

  • Der Inhalt des Papierkorbes ist hinterher rettungslos verloren und kann nicht wieder hergestellt werden. Gegebenenfalls sollte man vorher noch einmal alles an die “Oberfläche” bringen.
  • Eine Systemwiederherstellung zu einem früheren Datum ist nach einer Reparaturinstallation unmöglich. Die betreffenden Daten und Archive werden alle  gelöscht.
  • Windows XP erstellt eine völlig neue registry.dat. Dazu wird die Alte eingelesen und mit den Installationen auf der Festplatte verglichen. Die meisten unsinnigen Einträge werden nicht übernommen. Leider kann XP nicht immer zu allen Programmen einen Bezug herstellen und es müssen hinterher die betreffenden Programme neu installiert werden. Beispielsweise kann MS nicht begreifen, dass es ausser seinem Visual C++ auch noch Delphi von Borland gibt!
  • Die meisten von uns vorgenommenen sicherheitsrelevanten Einstellungen und Tuningmaßnahmen werden nicht übernommen. Nach einer Reparaturinstallation müssen wir alles neu einstellen.
  • An dieser Stelle möchte ich noch mal alle beruhigen: Eine solche Installation wurde von mir schon oft praktiziert. Ernsthafte Schäden haben die PC’s nicht davon getragen. “Verlorene” Dateien und Einstellungen konnten in den meisten Fällen wieder hergestellt  werden.

Habt Ihr die fünf Punkte gecheckt? Na dann kann es los gehen, ich beziehe mich in den nächsten Punkten nur auf das Wesentlichste. Vieles von dem, was das Setup fragt, ist in der Fragestellung so eindeutig, daß es keiner weiteren Erläuterung bedarf.

  • Als erstes stellt Ihr fest, welchen Identifikationscode Microsoft dem Betriebssystem verpaßt hat und sucht auf der Rückseite oder an den Seitenwänden des PC einen kleinen bunt schillernden Aufkleber. Diesen 25stelligen Code schreiben Ihr auf einen Zettel und legt diesen am besten dauerhaft in die Hülle der XP-CD. Der Code wird während jeder Installation von XP bzw. eines Servicepacks erfragt.
  • Die XP-Setup-CD legen Ihr ins CD-Lw und starten den PC neu. Dieser wird jetzt fragen, ob er von der CD starten soll. Das  bestätigt Ihr mit einem Druck auf [irgend eine Taste].
    Achtung: Die gleiche Frage wird während der Reparatur noch einmal gestellt, dann lasst Ihr jedoch die Finger von den Tasten und wartet bis es weiter geht!!!
  • Im seltenem Fall, das der PC nicht auf die eingelegte CD reagiert, drückt auf den Hardwarereset am Gehäuse und während des Neustartes auf die [Entf] -Taste, um ins BIOS-Setup zu gelangen. Dort sucht Ihr die Einstellung, welche den Start von welchen Laufwerk regelt und bestätigt den Start von einer CD, am besten in erster Instanz noch vor dem Start von der Festplatte. (Manchmal haben Händler oder bei gebrauchten PC’s die vorherigen Administratoren äußerst seltsame Ansichten.) Nicht vergessen, diese Einstellungen zu speichern. Wie? Das ist in jedem BIOS unterschiedlich, steht aber immer irgendwo auf dem Bildschirm geschrieben. Achtung: wird die Taste [ y ] - wie YES verlangt, dann versteht der BIOS nur englisch und Ihr müßt unter Umständen mit [ z ] bestätigen.
  • Die erste wesentliche Frage des Setup ist, ob Windows mit Hilfe der Konsole repariert oder XP neu installiert werden soll. Ersteres ist wirklich nur etwas für Spezialisten und Ihr bestätigt die Installation von XP mit Taste [ i ]. Diese Antwort erscheint zwar Paradox, ist aber völlig korrekt.
  • Jetzt  sucht das Setup eine vorhanden Windowsinstallation auf unserer Festplatte, zeigt diese an und fragt uns unter anderen, ob die gefundene Installation repariert werden soll. Diese Frage bestätigt Ihr mit der Taste [ r ]. Nur in ganz wenigen Fällen, wenn die Partitionstabellen oder die Dateistruktur auf der Festplatte restlos zerstört ist, wird das Setup keine Reparatur anbieten. In diesem Fall können Ihr nur noch neu formatieren, installieren und bereuen, die Festplatte überhaupt nicht  ober falsch partitioniert und die Daten nicht regelmäßig mit einem Backup gesichert zu haben.
  • Im weiteren Verlauf kann es passieren, daß das Setup einige Dateien nicht finden will oder die Vorhandenen bemäkelt. Hier überspringt Ihr einfach und schreibt Euch aber auf, welches Programm betroffen war oder sein könnte. Ersatzweise wird immer eine Datei aus dem Setup oder eine noch auf der HD vorhandene Datei benutzt. Dieses Programm müßt Ihr dann auf alle Fälle im  Anschluß neu installieren. Meist handelt es sich dabei um spezielle Treiber, die XP verwaltet hat.
  • Gegen Ende der Reparatur fragt Euch das Setup, ob es die neue Installation bei Microsoft registrieren und danach eine Verbindung zum Internet herstellen soll. Auf beide Fragen reagiert Ihr mit [Überspringen] . Nach einer Reparatur ist das wirklich nicht notwendig. In diesem Fall übernimmt das Setup die vorherigen Einstellungen von der Festplatte und Ihr könnt Euch diese Prozedur ersparen.

Jetzt nach ca. 25-60 Minuten müßte Euer System wieder tatellos funktioniern. Einige Eurer persönlichen Einstellungen müssen noch überprüft und vieleicht auch geändert werden. Eine große Hilfe sind dabei einige seriöse Tweaker, welche man auf alle Fälle “an Bord” haben möchte.  Sollte irgend ein Programm nicht mehr funktionieren, dann wird eine Neuinstallation dessen Euch nicht erspart bleiben. Die hier aufgezeigte Lösung ist auf alle Fälle preiswerter, schneller und genau so sicher wie die Reparatur in einer Werkstatt. Dort wird auch nur mit Wasser gekocht. Ihr müßt nur im Gedächtnis behalten, wo Ihr das abgegedruckte Dokument abgeheftet habt. Macht mir keinen Vorwurf draus, an alles kann ich auch nicht denken.

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