Glocken

Vorwort, jedoch keine Entschuldigung:

Diese Geschichte gehört normaler Weise nicht hier her. Ich möchte keinesfalls verdächtigt werden, auf Kosten unserer katholischen Kirchengemeinde Glossen ins Web zu hängen. Auch bin ich ebenso wenig geneigt anderen Veröffentlichungen im Internet zu folgen.  Unverständlich ist mir allerdings, warum erwachsene Menschen sich benehmen wie kleine Buben, welche mit Blechbüchsen auf der Straße Fußball spielen. Wenn sich dann ein Fenster öffnet und der Mensch um etwas Ruhe bittet, noch eins drauf legen. Wir Anlieger dieses Grundstückes bitten doch nur um klein wenig Rücksichtnahme, etwas Selbstbeschränkung und weniger Ignoranz.

Ist das wirklich schon zu viel verlangt?

Unsere Kirche besitzt Glocken, welche so oft, so lange und so laut wie nirgendwo in Europa ertönen. Nicht einmal in Rom. Ich kann es beschwören, das ist die reine Wahrheit. Unser Bürgermeister weist jegliche Verantwortung von sich und hat mir neulich sogar übermittelt, daß für das Läuten der Glocken der Vorsitzende unserer katholischen Kirchengemeinde zuständig ist.

Ist ja toll. Na klar, wer sonst.

Aber wenn  nun diese Glocken aus 35 Meter Entfernung zu den Fenstern meines Schlafzimmers so klingen, als wenn man mehrere verbeulte Milchkannen wie wild aufeinander los schlägt, so ist das kein Glockenläuten mehr, sondern ganz einfach fürchterlicher Lärm.

Dies nicht nur zum Angelusläuten, denn das wäre ohne weiteres zumutbar (für Kenner der Materie: ich weiß was das ist und kenne dessen Regeln), sondern mindestens fünf Mal am Tag, so zwischen 2 und 5 Minuten. Das sind je nach gewählten Programm zwischen 140 und 1500 Schläge. Mit dem etwas leiseren Zeitschlagen sind dies täglich rund 4000 Schläge. Stolz in einer Lautstärke, welche Schmerzen in den Ohren erzeugt.

Was sind das nur für Glocken, vor denen Menschen und Tiere flüchten. Selbst der Pfarrer wohnt nicht mehr im Pfarrhaus neben der Kirche, sondern weit ab vom Klang seiner Glocken.

Von dieser Aufzählung ausgenommen ist  das “Zusammenläuten” zum Gottesdienst und das Läuten zu besonderen Anlass (Feiertage, Hochzeiten etc.). Hier können nochmals gut 4500 Schläge zusätzlich zusammen kommen. Bei diesen ist Ohropax einfach Pflicht.

Ebenso bedauerlich ist der bauliche Zustand des Gotteshaus. Selbst von meinem Wohnzimmerfenster kann ich es deutlich und ohne Brille oder Fernglas erkennen: Unterhalb des Glockenturmes befinden sich mehrere breite, senkrechte und waagerechte Risse im Mauerwerk des Kirchenschiffes.  Mitglieder der Kirchengemeinde sehen keinen Zusammenhang zum wütenden Geläut der Glocken.

Ein solcher für Mensch und Tier qualvoller Lärm fällt gemäß den gesetzlichen Regelungen in das Verantwortungsbereich des örtlichen Ordnungsamtes. Dies ist jedoch wiederum ganz rein zufällig das Amt des Bürgermeisters und aus dieser Pflicht wird er nicht entlassen. Auch dann nicht, wenn er insgeheim Messungen der Lautstärke der Glocken hat durchführen lassen. Wer oder was hindert ihn daran, diese  Messergebnisse den Beschwerdeführern zu übermitteln oder in geeigneter Form zu veröffentlichen??? Glaubt er (sehr mild ausgedrückt) an ein technisches und rechtliches Unverständnis der Einwohner seiner Gemeinde???

Sie wissen doch was richtiges Angelusläuten entsprechend der Läuteordnung (auch so etwas gibt es) ist? Nein, dann klicken Sie mal auf Download.
 

Immer wieder werde ich von einzelnen Besuchern meiner Hompage nach dem Wahrheitsgehalt meiner Angaben befragt. Sie können es einfach nicht glauben, bis zu dem Moment, an dem sie sich selbst überzeugen. Leider könnt ihr die Lautstärke dieser elektrischen Läutemaschine nicht sehen. Mit geeichten Messergebnissen kann ich auch nicht dienen, da selbst der TÜF, der ja auch für Lärmmessungen zuständig ist, damit nichts zu tun  haben möchte. Es ist schon seltsam...

Aus diesem Grund habe ich mich entschlossen, die baulichen Schäden, welche auch bei geringer Phantasie auf das Schwingen von Glocken zurückzuführen sind, einmal zu dokumentieren.

Diese Abbildung zeigt, das nach der baulichen Veränderung, bzw. der Vergrößerung des Glockenturmes und dem Einbau der Läutemaschine vor etwas mehr als fünfzig Jahren die Dacheindeckung schon zweimal repariert werden mußte.
Zur Beachtung: Der Turm besteht nicht aus massiven Mauerwerk, sondern aus einer verkleideten Holzkonstruktion, die auf dem Dachstuhl angebracht wurde.

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In diesem Detail wird sichtbar, daß die Dachziegel wieder mal nicht mehr, so wie es sein sollte, akkurat nebeneinander und mit Klammern gehalten, sondern schon verkantet und lose übereinander liegen. Es braucht also nur noch einen solchen Orkan wie Lothar (der eigenartiger Weise vor einigen Jahren um unser Dorf einen Bogen gemacht hat) aus dem richtigen Winkel blasen und im  ganzen Ort werden die Biberschwänze unserer Dorfkirche verteilt.

Da behaupten wirklich noch einige Einwohner und Mitglieder der Kirchengemeinde, von einem solchem Haus gehe keine Gefahr aus

Nicht nur die Dachhaut und der Dachstuhl, sondern auch das Mauerwerk nimmt vom Schwingen der Glocken ernsthaft Schaden. Man bedenke, es handeln sich um gewaltige horizontale und gleichzeitig auch vertikale Kräfte, für  deren Aufnahme dieses Bauwerk und und sein Dachstuhl vor ca. 100 Jahren niemals konzipiert wurde.

So passiert es nun in unregelmäßigen zeitlichen Abständen und besonders bei Trockenheit, daß die Blumen um das  Gotteshaus herum vom Messner oder anderen Mitgliedern der Kirchengemeinde gegossen werden müssen. Auch ist hin und wieder mal der Rasen zu pflegen. Und wie gelingt das am Besten? Natürlich, mit zehn Minuten Geläut von gleichzeitig fünf Glocken. Wie gesagt, ich wasche meine Hände in Unschuld und streue mir Asche aufs Haupt, genau so wie es die alten Ägypter vor 3000 Jahren taten.

Ein Wohnhaus mit derartigen Schäden wäre schon lange für unbewohnbar erklärt und geräumt worden. Wie verhält es sich jedoch, wie in diesem Fall, mit öffentlichen Versammlungsräumen?

Ich muß mal noch was dazu sagen:

Immer wieder erhalte ich in mein Gästebuch Einträge von Besuchern, in welchen die Behauptung aufgestellt wird, es sei ja alles nicht so schlimm und ich solle nicht so übertreiben. Aus dem Grund habe ich, obwohl es mir im innersten zuwider ist, das Sonntags-Zusammenläuten mit einer einfachen digitalen Kamera von meinem Schlafzimmerfenster aus aufgezeichnet. Es sind nur ein paar Sekunden der Originallänge von sechs Minuten.

Sollte euer Player dieses Video im MP4 Format nicht unterstützen, so ladet euch bei http://www.free-codecs.com/ QuickTime Alternative oder VLC herunter. Und bitte erschreckt nicht, wenn das Ding auf einmal losgeht, ich muss mir das jeden Tag mehrmals anhören. Der Download wird wie überall üblich ausgelöst.

Glockenläuten am Sonntagmorgen

Noch etwas ist auf dem kleinen Video ersichtlich: Die Erschütterungen des Daches durch das Läuten lassen schon nach wenigen Sekunden den frisch gefallenen Schnee zusammenrutschen. So wie sich der Schnee bewegt, so bewegt sich auch bei jedem Glockenschlag die Dacheindeckung.
 

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